09. Februar 2010
Fleißig, cholerisch und Russland zugeneigt
In der Ukraine wird Oppositionschef Viktor Janukowitsch zum Präsidenten gewählt.
KIEW (dpa). Nach seiner schmachvollen Niederlage gegen die prowestlichen Reformer in der Ukraine vor fünf Jahren hat es der prorussische Oppositionsführer Viktor Janukowitsch jetzt in das höchste Staatsamt geschafft. Der 59 Jahre alte Nato-Gegner wurde am Montag zum Sieger der Stichwahl um das Präsidentenamt erklärt. Dem vorläufigen Endergebnis zufolge erhielt er rund 48,8 Prozent der Stimmen. Das teilte die Wahlkommission am Montagabend in Kiew mit. Damit lag Janukowitsch mehr als drei Prozentpunkte vor seiner prowestlichen Rivalin, Regierungschefin Julia Timoschenko, die auf 45,6 Prozent kam. Timoschenko war die Galionsfigur der orangefarbenen Revolution vor fünf Jahren. 4,4 Prozent der Wähler hatten die Option "Gegen alle" angekreuzt. Die Wahlbeteiligung in dem nach Russland zweitgrößten Flächenland Europas lag bei 69 Prozent.
Die 49-jährige Timoschenko hatte nicht ausgeschlossen, das Wahlergebnis bei einem knappen Ausgang anzufechten. Sie hatte ihrem Rivalen Wahlfälschung vorgeworfen. Eine zweite orangefarbene Revolution wie 2004 galt aber gestern als unwahrscheinlich. Auch westliche Beobachter bezeichneten die Abstimmung als demokratisch.
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Das knappe Wahlergebnis stärkt nach Ansicht von Beobachtern aber auch Timoschenkos Position als Regierungschefin. Janukowitsch hatte sie nach der Wahl aufgefordert, ihr Amt niederzulegen. Er will den schwerreichen Bankier Sergej Tigipko in sein Team einbinden, der im ersten Wahlgang vor drei Wochen Dritter geworden war. Tigipko hatte sich als Regierungschef angeboten. Damit müsste Timoschenko in die Opposition. Es gilt aber als sicher, dass die charismatische Politikerin ihren Posten nicht kampflos räumen wird.
Unter dem Präsidenten Janukowitsch dürfte sich das zuletzt zerrüttete Verhältnis zwischen der Ukraine und ihrem großen Nachbarn Russland deutlich entspannen. Der im russischsprachigen Osten des Landes verwurzelte Janukowitsch will Russisch zur zweiten Amtssprache machen und mit Moskau gegen mehr Geld über die längere Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte auf der ukrainischen Halbinsel Krim über 2017 hinaus verhandeln. Vielen gilt Janukowitsch deshalb als Mann Moskaus, obwohl er im Wahlkampf stets seine Unabhängigkeit betonte. Allerdings verbindet ihn eine persönliche Bekanntschaft mit Ex-Kremlchef Wladimir Putin.
Der 1950 in der Stadt Jenakijewo im ostukrainischen Kohle- und Stahlrevier geborene Janukowitsch ist vom Mechaniker zum Juristen aufgestiegen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion war er mit Unterstützung von Großindustriellen zweimal Regierungschef. 2004 sah er sich mit Rückendeckung Moskaus schon als Präsident, doch die prowestliche orangefarbene Revolution machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Nach einem Skandal um Wahlfälschungen verlor er in der Wiederholungswahl gegen den damaligen Hoffnungsträger Viktor Juschtschenko. Heute zeigt sich Janukowitsch gern mit Kerze in der Hand in russisch-orthodoxen Kirchen. In seiner Jugend saß er aber auch einmal wegen Raubüberfalls im Gefängnis. Im Umgang mit Kollegen gilt er als fleißig, aber cholerisch mit Neigung zu Gewalt. Der Vater zweier Söhne ist ein leidenschaftlicher Tennisspieler.
Autor: dpa
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