San José (apn) In Costa Rica ist erstmals eine Frau an die Spitze des Staates gewählt worden. Die Konservative Laura Chinchilla gewann die Präsidentenwahl vom Sonntag mit einer überwältigen Mehrheit von 47 Prozent der Stimmen. Die 50-Jährige war bisher Vizepräsidentin und ist eine Vertraute von Amtsinhaber Oscar Arias. Chinchilla ist die fünfte Frau an der Spitze eines lateinamerikanischen Landes nach Nicaragua, Panama, Chile und Argentinien.
Chinchilla lag nach Auszählung fast aller Stimmen 22 Prozentpunkte vor dem Zweitplatzierten Ottón Solís. Mit ihrem Ergebnis von 47 Prozent lag sie deutlich über den zur Vermeidung einer Stichwahl notwendigen 40 Prozent. Der dritte Kandidat Otto Guevara kam auf 21 Prozent. Solís und Guevara räumten umgehend ihre Niederlage ein.
„Heute schreiben wir Geschichte“, sagte Chinchilla, die im Mai ihr Amt antreten wird. „Die Menschen von Costa Rica haben mir ihr Vertrauen geschenkt, und ich werde es nicht enttäuschen.“ Es war zunächst jedoch unklar, ob Chinchillas Nationale Befreiungspartei (PLN) auch im Kongress die Mehrheit erreichen wird.
„Nicht der Moment für einen Wandel“
Chinchilla hat angekündigt, die wirtschaftsliberale Politik Arias' fortzusetzen. Das Land sei seit vier Jahren auf dem richtigen Weg, und dieser Kurs solle fortgesetzt werden, sagte die 50-Jährige vor dem Wahltag. „Das ist nicht der Moment für einen Wandel, der uns auf einen Weg bringt, den wir nicht kennen.“
Die Mutter eines Sohnes im Teenager-Alter ist sozial-konservativ. Sie ist gegen eine Legalisierung von Abtreibungen und gegen Ehen gleichgeschlechtlicher Partner. Im Wahlkampf gelang es ihr, sowohl als neues Gesicht und damit dem Versprechen auf frischen Wind anzutreten, zugleich aber den Wunsch nach Stabilität zu verkörpern. Aber auch die Aussicht, erstmals eine Frau als Staatsoberhaupt zu haben, trieb ihr Wähler in die Arme.
Er habe immer für die PLN gestimmt, aber diesmal sei es besonders gewesen, sagte der 77-Jährige Alfredo Fernandez: „Es ist eine Ehre, eine Präsidentin zu haben.“ „Ich habe für Chinchilla gestimmt, weil sie versprochen hat, für die Frauen zu kämpfen“, sagte die Alleinerziehende Heizel Arias, die wegen Drogenschmuggels eine Gefängnisstrafe von acht Jahren verbüßt. „Sie war die einzige, die uns besucht hat, und uns ihre Pläne vorgestellt hat. Ich glaube ihr.“
Der scheidende Präsident, der 69-Jährige Arias, leidet unter gesundheitlichen Problemen und hat sich zu seinen Plänen für die Zeit nach seiner Präsidentschaft bislang nicht geäußert. Er wurde während seiner ersten Amtszeit für seine Bemühungen um Frieden in Mittelamerika 1987 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, zuletzt vermittelte er in der Regierungskrise in Honduras.
Costa Rica ist das stabilste Land in Lateinamerika. Lohnniveau und Bildungsstand und Lebenserwartung sind vergleichsweise hoch, und der Ökotourismus floriert. (AP)



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